Archiv des Autors: Nikola Klein

Weltacker im Frühling

Der Mai ist gekommen und es gibt jede Menge Neuigkeiten vom Acker.
Das Beste zuerst:

WIR ERÖFFNEN.

Ab dem 01. Juni 2020 öffnet der Überlinger Weltacker für Groß und Klein, Alt und Jung täglich von 8 bis 20 Uhr seine Pforten. Wir freuen uns schon mächtig darauf, die ersten Besucher*innen auf dem Frühlingsacker mit seinen vielfältigen Kulturen willkommen zu heißen. Natürlich mit genügend Sicherheitsabstand und den notwendigen Schutzmaßnahmen vor Ort. Auf eine gemeinsame Eröffnungsfeier müssen wir aufgrund der aktuellen Lage leider verzichten.

Was gibt es zu sehen und erleben?

Bis auf Weiteres funktioniert der Acker als wachsende, selbsterklärende Ausstellung. Das heißt: Kommt, schaut, fühlt, riecht und lest – verschiedene Schautafeln leiten durch das Ackergelände und die Fragen und Ideen des Weltackers. Sobald es die Situation wieder zulässt, wird zusätzlich ein Kultur- und Bildungsprogramm direkt auf dem Acker die Ausstellung bereichern.

Die Eröffnung des kleineren Standortes im Rahmen der Landesgartenschau wurde vorerst verschoben. Das Konzept für diese Fläche haben wir zusammen mit unseren Partnern Buchinger Wilhelmi, Hofgut Rengoldshausen und Freie Landbauschule erarbeitet und umgesetzt. Die LGS plant aktuell die Eröffnung in Überlingen für 2021.

Der Acker von oben
Der Überlinger Weltacker im Mai 2020

Was ist momentan los auf dem Acker?

Jetzt im Frühling gibt es viel tun. Denn in diesen Tagen wird es endlich bunt auf dem Acker: Während schon eine Vielfalt an Getreidesaat draußen wächst, wurden die wärmeliebenden Sorten und Südfrüchte im Schutz des Gewächshauses vorgezogen, welches wir auf dem Andreashof mitnutzen dürfen. Nach einer Zeit der Trockenheit und anderen kleineren Hindernissen, wie Schädlingsbefall und kräftigem Beikraut, gab es zuletzt viel Regen und alles sprießt – perfektes Wetter zum Wachsen. Zwischen den Bepflanzungen sind Wege angelegt worden. Bald gesellen sich hier auch Lernstationen und Infotafeln hinzu. 

Während die Jungpflänzchen fleißig wachsen, reift das Projekt auch hinter den Kulissen weiter aus. Die Erfolge im Fundraising stimmen uns optimistisch, das Projekt wie geplant umsetzen zu können. Und auch einiges Neue ist hinzugekommen.

Acker digital

In Zeiten von Lockdown und heimischer Quarantäne haben wir die Herausforderung zur Chance gemacht und ein digitales Bildungsangebot auf die Beine gestellt. In wöchentlichen Videoposts bringt unsere Bildungsreferentin Anette nun den Weltacker ins Wohnzimmer. Sie zeigt und erklärt, was auf dem Feld und im Gewächshaus gerade passiert und wie die Themen des Weltackers den Alltag jedes und jeder Einzelnen berühren. Denn auch hier ist unser Leitsatz: „Du machst einen Unterschied!“ – Lerneffekte und Aha-Momente garantiert. Hier lang gehts zum YouTube-Channel.

Neue Gesichter und Kompetenzen 

Mit dem neuen Jahr ist auch unser Team weiter gewachsen. Und mit den neuen Gesichtern sind neue Kompetenzen und Bereiche hinzugekommen.

Jannis Richter ist gelernter Landwirt und seit 2020 unser leitender Gärtner. Wenn er nicht gerade den Weltacker pflegt, studiert er an der HNE Eberswalde im Studiengang Ökologischer Landbau und Vermarktung. Im Moment steckt er sein Können und Wissen in die Ansaat der Getreide, die Voranzucht im Gewächshaus und die letzte Vorbereitung des Ackerbodens. 

Anette Wilkening, erfahrene Pädagogin mit BA in Ökologischen Agrarwissenschaften, bringt seit 2020 ihr geballtes Wissen und Engagement ins Projekt ein. Anette entwickelt als Bildungsreferentin unser Bildungsprogramm und wird künftig Schulklassen über den Acker führen. 

Auch Miriam Neyrinck bereichert seit diesem Jahr den Überlinger Weltacker als Bildungsreferentin. Die Lernort-Bauernhof-Pädagogin mit BA im Fach Erziehung und Bildung bringt unseren jüngeren Besucher*innen die Ideen die Weltackers auf spielerische Weise nahe. 

Mit Andreas Haslacher ist – schon Ende 2019 – die Kunst zum Acker gekommen. Der freischaffende Musiker plant Konzerte, Kunstperformances und Kulturevents auf dem Überlinger Weltacker. Wir sind gespannt!

Das gesamte Team des Überlinger Weltackers findet ihr hier.

Bring dich ein

Wer Lust verspürt, die eigenen Hände in die Erde zu stecken und an der frischen Luft mitzugärtnern, ist herzlich eingeladen: Jeden Samstag von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr freut sich unser Gärtner Jannis über eure Mitarbeit. Schreibt einfach an post@ueberlinger-weltacker.de

Warum 2000 qm?

Wie viel Acker ist genug? Die 2000-qm-Idee unter der Lupe.

Das Projekt Weltacker basiert auf der Annahme, dass jedem Menschen rechnerisch 2000 qm Ackerboden zur Verfügung stehen – vorausgesetzt, man würde alle Ackerflächen der Welt pro Kopf zu gleichen Teilen aufteilen. Auf diesen 2000 qm müsste also alles wachsen, was ein Mensch an pflanzlichen Erzeugnissen im Laufe seines Lebens verbraucht. 

Wie aussagekräftig ist diese Zahl? Und was erzählt sie uns über unsere derzeitige Situation auf dem Planeten Erde, über unsere Chancen und Möglichkeiten, aber auch unsere Limits?

Was steckt hinter der Zahl? 

Als Benedikt Haerlin die Idee eines Weltackers im Jahr 2015 erstmals in Berlin umsetzt, leben rund 7.300.000.000 Menschen auf der Erde. Zur gleichen Zeit geht man von etwa 1,5 Mrd. ha Ackerfläche weltweit aus. Bei gerechter Aufteilung der Gesamtflächen errechnen sich daraus ungefähr 2000 qm pro Mensch. 2000 qm für Nahrung, Rohstoffe für Kleidung und andere Textilien, für Genussmittel wie Tabak und Alkohol, für Biogas und Biodiesel und für das Futter von Nutz- und Masttieren. 

Wie viel Ackerfläche brauchen wir?

2000 qm, ist das viel? Wenig? Reicht das aus? Die Antwort ist einfach: Es hängt ganz und gar davon ab, was man dort anbaut – und wie. Wer einmal einen Weltacker besucht, gewinnt einen Eindruck von der Fläche, die zur Verfügung steht. Klein ist sie nicht grade. Im Gegenteil: sie bietet Platz für den Anbau unterschiedlichster Kulturpflanzen. Die benötigte Fläche variiert zum Teil drastisch. Das Flächenbuffet zeigt, wie viele Quadratmeter bestimmte Ernährungsformen einnehmen: ein Teller Spaghetti Napoli etwa, ein Früchtemüsli mit Sojamilch oder ein Schnitzel mit Pommes. Mit Blick auf nachhaltigen Anbau ist die Fläche allein natürlich nur einer von mehreren Indikatoren für Nachhaltigkeit. Auch hinsichtlich Wasser- und Mineralienverbrauch sind Kulturpflanzen unterschiedlich anspruchsvoll. Aber bleiben wir trotzdem mal bei der reinen Fläche – unseren 2000 qm. 

Schwindendes Land

Mittlerweile, Ende 2019, sind wir bereits über 7,7 Mrd. Erdenbürger*innen. Gleichzeitig gibt es alarmierende Berichte über den Verlust an fruchtbaren Ackerböden. 10 Mio. Hektar gesunder und fruchtbarer Böden „verschwinden“ laut BmZ und UBA pro Jahr, das heißt sie veröden, vertrocknen, werden ausgelaugt durch Überdüngung, Wasserknappheit oder Schadstoffe. Oder sie fallen anderen Nutzungen zu, werden etwa versiegelt, also in Verkehrs- und Siedlungsflächen umgewandelt. In Deutschland betrifft das immerhin noch mehr als 50 ha pro Tag – eine Fläche so groß wie 70 Fußballfelder.

Wenn (potenzielle) Nutzflächen für Ackerbau und Landwirtschaft verloren gehen, müssen diese woanders wieder hergeholt werden. Denn der Verbrauch pro Kopf wird nicht etwa kleiner, sondern größer. In anderen Worten: Die Rohstoffe und Erzeugnisse, die wir Deutschen und Europäer tagtäglich essen oder am Körper tragen, rauchen oder an Biosprit verheizen, wachsen immer häufiger auf anderen Kontinenten. Gleichzeitig driften unsere beiden Parameter – Weltbevölkerung und Ackerfläche – weiter rapide auseinander. 

Wie aussagekräftig sind unsere 2000 qm?

Zwar werden auch neue Flächen für den Ackerbau hinzugewonnen – etwa durch Rodung von Waldflächen. Ökologisch gesehen ist dies jedoch kein nachhaltiger Ausweg, insofern wertvolle Biotope und Ökosysteme verloren gehen. Und noch ein Aspekt relativiert die unsere Zahl von 2000 qm: Die Vergleichbarkeit von Böden untereinander hinsichtlich ihrer Fruchtbarkeit und landwirtschaftlichen Nutzbarkeit. Denn Böden variieren deutlich in ihrem Humusvorkommen, ihrer Zusammensetzung und Topografie (bspw. Hanglagen) sowie der Sonneneinstrahlung. Auch dadurch ist die Nutzbarkeit je Quadratmeter unterschiedlich hoch und im globalen Querschnitt schwer zu ermitteln. 

Es wird klar: die Quadratmeterzahl alleine ist nur bedingt aussagekräftig. Und wie alle Verhältnismäßigkeiten befindet sie sich im Wandel. Die schnell anwachsende Menschheit wird in Zukunft von weniger Ackerfläche pro Kopf leben (müssen). Bis 2050 wird die Fläche pro Mensch voraussichtlich nur noch 1500 qm groß sein.

Wie drastisch sich das auf unsere Lebensgewohnheiten, unseren Wohlstand und unsere Wirtschaftsweisen auswirkt, hängt jedoch einzig und allein davon ab, wie wir mit den verfügbaren Flächen umgehen.

Es ist genug für alle da – eigentlich!

Im Zentrum stehen die Fragen nach der Nutzung und Verteilung der weltweiten Ackerflächen, mit denen sich auch der Überlinger Weltacker beschäftigt. Denn egal ob 2000 qm oder „nur“ noch 1500 qm – die gute Nachricht lautet: Im Prinzip ist genug für alle da! Allerdings nur, wenn wir die Ackerböden nachhaltig pflegen, auf ausreichend Regeneration achten, den Erhalt der Artenvielfalt fördern und unseren Lebensstil auf eine nachhaltige Landwirtschaft umstellen. Je nach dem, was wir anbauen – also wie wir uns ernähren – nutzen wir die uns zur Verfügung stehende Ackerfläche mehr oder weniger zukunftsfähig. Zur Lösung trägt jeder und jede Einzelne bei, tagtäglich, in den alltäglichen Kauf- und Konsumentscheidungen. 

Die Kleegras-Aussaat

Neues vom Acker

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
hier kommt ein kleiner Lagebericht mit Neuigkeiten vom Acker:

Im Juni wurde unsere Ackerfläche begrünt. Mit frischem Kleegras bepflanzt stimmt sich der Boden nun auf Herbst und Winterzeit ein sowie auf eine fruchtreiche Saison 2020. Obwohl wir zu einem unüblichen Zeitpunkt, nämlich im Hochsommer, gesät haben, steht der Acker in sattem Grün. Der Sommer brachte uns genügend Regen, sodass die Saat keimen und wachsen konnte. Neben dem Bodenaufbau, Erosionsschutz und Nährstoffeintrag bildet das Kleegras einen trittfesten Untergrund für das nächste Jahr. Und wer weiß, vielleicht findet sich auch ein vierblättriges Kleeblatt auf unserem Acker. Bis zum Projektstart im April 2020 dürfen sich unsere 2000m² Ackerfläche nun noch erholen. 

Für unser Team hieß es in der Zwischenzeit: Schreiben, Sprechen, Werben und weitere Unterstützer*innen finden. Denn nur mithilfe vieler können wir das Projekt rechtzeitig an den Start bringen. Deshalb geht es zurzeit vor allem darum, noch mehr Menschen mit der Idee zu erreichen und möglichst viele Stiftungsräte von unserem Vorhaben zu überzeugen. Dazu haben wir Infoflyer gedruckt, an Stiftungsanträgen gefeilt und auf Veranstaltungen mit Nachhaltigkeitsbezug unsere Idee eines Überlinger Weltackers in die Welt getragen. Wir haben Finanzierungshilfen bei Stiftungen angefragt, denen das Thema ebenso am Herzen liegt wie uns, und hoffen auf positive Rückmeldungen. Drückt mit uns die Daumen!

Auch sind einige Zeit und Arbeit in die Gestaltung des Projektauftritts geflossen. Neben der Ackerpost und Website gibt’s den Überlinger Weltacker seit kurzem auch auf Facebook und Instagram. Und: zu einem außergewöhnlichen Lernort passt auch ein außergewöhnliches Logo, finden wir! Unser neues Logo verdanken wir der Künstlerin Lisa Maria Steppacher, die es mit großer Liebe zum Detail gestaltet. Genau wie der „echte“ Acker wandelt es sein Äußeres im Jahresverlauf bzw. je nach thematischem Bezug – etwa Bodenfruchtbarkeit, Ackernutzung, „tierische Helfer“ – und zeigt so die Lebendigkeit und natürliche Vielfalt auf dem Acker. 

Hier wächst was …

Nicht nur das Kleegras, auch unser Netzwerk um den Überlinger Weltacker wächst beständig. Vielerorts treffen wir auf offene Ohren und Interesse an einer Zusammenarbeit. Unterstützungszusagen gibt es von lokalen Pionieren nachhaltiger Unternehmen wie Sonett und Bodan. Und auch themenverwandte Organisationen wie Slowfood, die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof und der BUND zeigen großes Interesse an einer konkreten Zusammenarbeit. Schon sind erste Multiplikatorveranstaltungen auf dem Acker für 2020 angefragt. Für den Herbst steht nun die Ausarbeitung unseres Bildungsprogramms an. 

Bring dich ein!

Du hast Ideen für den Weltacker und Lust dich einzubringen? Ab Oktober planen wir erste Helfertreffen. Wer sich vorstellen kann, im nächsten Jahr Teil des Ackerteams zu werden, ist herzlich eingeladen vorbeizuschauen. An Tätigkeiten ist vieles denkbar und möglich: Vom Hacke Schwingen bis zur Besucherführung über den Acker, von der Unterstützung bei Schulprojekten und Festen bis zur Kommunikationsarbeit. Jedes Talent ist willkommen! Über Neuigkeiten zu Treffen halten wir dich unter anderem hier und auf Facebook auf dem Laufenden. 

Folgst du uns schon auf Facebook und Instagram? Bring dich auch im Netz ein, erzähl deinen Freund*innen von uns und verbreite die Ideen des Überlinger Weltackers weiter – gemeinsam wächst es sich leichter.